Alle Infos rund um das Neurofeedback

Neurofeedback Therapie

Neurofeedback

Neurofeedback ist eine nicht-invasive Methode, bei der die Gehirnaktivität gemessen und in Echtzeit zurückgespiegelt wird. Durch diese Rückmeldung kann das Gehirn lernen, seine Aktivität zu regulieren und optimieren.

Es wird oft zur Behandlung verschiedener neurologischer und psychischen Störungen eingesetzt, wie beispielsweise ADHS, Angststörungen, Depressionen und Schlafstörungen. Es kann aber auch von gesunden Menschen genutzt werden, um ihre kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern oder Stress abzubauen.

Während einer Neurofeedback-Sitzung trägt der Patient Elektroden auf der Kopfhaut, die die Gehirnwellen messen. Diese Informationen werden dann in Echtzeit auf einem Bildschirm dargestellt, zum Beispiel in Form von visuellen oder auditiven Signalen. Der Patient lernt, diese Signale zu interpretieren und seine Gehirnaktivität entsprechend anzupassen.

Die Anwendung von Neurofeedback ist nicht invasiv und schmerzfrei. Die meisten Menschen empfinden die Sitzungen als angenehm und entspannend. Die Dauer der Behandlung variiert je nach individuellem Bedarf und kann mehrere Sitzungen umfassen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Neurofeedback eine ergänzende Therapiemethode ist und keine alleinige Behandlungsmethode für neurologische oder psychische Störungen darstellt. Es sollte immer in Absprache mit einem qualifizierten Facharzt oder Therapeuten durchgeführt werden.

Wir hoffen, dass diese Informationen dir einen ersten Einblick in das Thema Neurofeedback geben konnten. Bei weiteren Fragen stehen wir dir gerne zur Verfügung!

Was ist Neurofeedback?

Neurofeedback ist ein wissenschaftlich anerkanntes computergestütztes Gehirntraining und eine Trainingsmethode zur Selbstregulation unbewusster Abläufe im Gehirn.
Rückmeldung (Feedback) ist die Voraussetzung jeglichen Lernens. Unser Gehirn reagiert stets leistungsorientiert auf Reize und lernt dabei, mit welchen Reaktionen optimal auf Reize reagiert werden kann.
Beim Neurofeedback handelt sich um eine höchst effiziente Aufbaumethode bei funktionellen Störungen und stressbedingten Erkrankungen. Mit dem Neurofeedback trainieren Sie spezifische Hirnfunktionen wie Konzentration, Entspannung, Ausdauer, Spitzenleistung, Kreativität und Gedächtnis. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Belastungen, Stress, Schmerz und andere Beeinträchtigungen unsere Gehirnwellenmuster negativ verändern können. Mithilfe des Neurofeedbacks können fehlregulierte Gehirnwellenmuster beeinflusst und nachhaltig stabilisiert werden.

Ist Biofeedback das Gleiche wie Neurofeedback?

Der Begriff Biofeedback bezieht sich auf die Rückmeldung körperlicher Prozesse, die zwar immer ablaufen und reguliert werden, von uns aber nicht immer bewusst wahrgenommen werden.

Neurofeedback ist die Rückmeldung der Gehirnaktivität, die im EEG gemessen wird.

Biofeedback ist eine wissenschaftlich anerkannte Therapiemethode zur Behandlung psychischer und körperlicher Erkrankungen. Wie aktiviert körperliche Prozesse eines Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt sind, ist diesem Menschen selbst oft nicht zugänglich. In der Regel werden Veränderungen der körperlichen Prozesse erst dann bewusst, wenn sie negative Auswirkungen, beispielsweise in Form von Schmerzen, haben. Dabei ist das funktionierende Zusammenspiel unserer körperlichen Prozesse bedeutend für unser körperliches und psychisches Wohlbefinden. Biofeedback dient dazu, normalerweise unbewusst ablaufende körperliche Prozesse bewusst zu machen, um sie zu beeinflussen. Der aktuelle Zustand des Körpers, aber auch Veränderungen, werden sichtbar gemacht. Hierfür wird Ihnen, mithilfe von am Körper angebrachten Sensoren, eine Rückmeldung über körperliche Prozesse, wie Muskelaktivität, Schweißdrüsenaktivität, Atmung oder Gehirnaktivität gegeben. Durch Übung sollen Sie nun lernen, die rückgemeldeten Körperprozesse zu regulieren. Zunächst geschieht dies mithilfe der Sensoren und Geräte und mit der Zeit auch ohne deren Rückmeldung.

Neurofeedback ist also ein Biofeedback des Gehirns, genauer ein computergestütztes Gehirntraining. Auf der Kopfhaut werden schmerz- und rückstandsfrei EEG-Elektroden angeklebt, um mittels eines EEG-Geräts die Hirnaktivität zu messen und für Sie auf einem Monitor sichtbar zu machen.

Ablauf des SCP-Neurofeedbacks

Trainings der langsamen kortikalen Potentiale

Auf der Kopfhaut werden schmerz- und rückstandsfrei EEG-Elektroden angeklebt, um dann mittels eines EEG-Geräts die Hirnaktivität zu messen und auf einem Monitor sichtbar zu machen. Die Gehirnaktivität wird mittels eines Symbols bzw. Feedbackobjekts (Fisch, U-Boot, Vogel) auf dem Bildschirm visualisiert.

Nun folgen mehrere Trainingsblöcke, wobei jeder dieser Blöcke zwei Aufgabentypen beinhaltet: Aktivierungs- und Deaktivierungsaufgaben. Auf dem Bildschirm wird dies durch einen Richtungspfeil dargestellt, welcher bei Aktivierungsaufgaben nach oben und bei Deaktivierungsaufgaben nach unten zeigt. Hinzukommend zu den verschiedenen Aufgabentypen kann zwischen zwei Bedingungen unterschieden werden, Aufgaben mit und ohne Feedback.

Bei Feedbackaufgaben sehen Sie den Richtungspfeil und ein Feedbackobjekt auf dem Bildschirm, welches Ihre Hirnaktivität zurückmeldet. Das Symbol wandert auf dem Bildschirm von links nach rechts und bei Aktivierung nach oben, bei Deaktivierung nach unten, in Abhängigkeit von der Veränderung der Hirnaktivität durch Sie. Bei Aufgaben ohne Feedback sehen Sie lediglich den Richtungspfeil und Sie erfahren erst am Ende des Durchlaufs, ob Sie Ihre Hirnaktivität erfolgreich kontrolliert hat. Diese Aufgaben werden auch als Transferaufgaben bezeichnet, da sie den Transfer des Erlernten in den Alltag ermöglichen sollen, wo kein visuelles Feedback zur Hirnaktivität verfügbar ist. Die Anzahl der Transferaufgaben wird im Laufe der Behandlung, mit zunehmenden Trainingserfolg, erhöht. Zudem werden die Trainingsbedingungen im Verlauf der Behandlung erschwert, um eine Annäherung an die Gegebenheiten des Alltags zu gewährleisten.

Die Dauer einer Trainingseinheit beträgt mindestens 20 Minuten, wobei kleine Pausen eingelegt werden können. Erste Effekte bemerkt der Übende selbst in der Regel nach 12 bis 15 Sitzungen. In Abhängigkeit davon, welche Fertigkeiten mit dem SCP-Feedback verbessert werden sollen bzw. um welche Störungsbilder es sich handelt, variiert die Sitzungsanzahl. Bei einer adulten ADHS werden bspw. 30 Trainings empfohlen.

Neurofeedback bei vielen Symptomen

Wie funktioniert Neurofeedback?

Neurofeedback ist die Rückmeldung der Gehirnaktivität, die im Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen wird. Dafür werden die EEG-Signale an einen Computer weitergeleitet und in ein (audio-)visuelles Feedback umgewandelt. Dieses Feedback ist an ein computergesteuertes Belohnungsprinzip gekoppelt und trainiert damit das Gehirn, neue Verhaltensstrategien zu erlernen. Das hat positive Auswirkungen auf die Erregungs-, Konzentrations-, und Entspannungszustände.

Auf Ihrer Kopfhaut werden schmerz- und rückstandsfrei kleine EEG-Elektroden angeklebt. Über diese wird die elektrische Aktivität des Gehirns mittels EEG abgeleitet. Die Hirnströme stellen sich als Wellen dar, welche aber für den Laien schwer zu interpretieren sind. Deshalb sehen Sie auf einem Bildschirm stattdessen ein sich bewegendes Symbol (Flugzeug, Vogel u.v.m.). Dieses steigt oder sinkt, je nachdem, wie sich Ihre Hirnaktivität verändert.

Sie lernen nun anhand der bildlichen Darstellung im Neurofeedback-Training, verschiedene Hirnfunktionen wie z.B. Konzentration, Gedächtnis, Entspannung bewusst zu beeinflussen. Übungssitzungen werden spielerisch gestaltet: Für erfolgreiches “Bewegen” des Symbols gibt es Belohnungen, zum Beispiel erscheint ein Sonnensymbol.

Damit Sie die Fähigkeit, sich selbst zu beeinflussen, später auch im Alltag sicher anwenden können, ist viel Übung notwendig. Wir geben Ihnen deshalb ein Bild des Trainingsbildschirms, zum Beispiel von dem Flugzeug, mit nach Hause. Sie sollen das Bild dann täglich mehrmals ansehen und sich zurück in die Trainingssitzung versetzen. Dadurch wird das Gehirn an die gelernte Strategie erinnert, wodurch sich diese mit der Zeit verfestigt.

Das Feedback basiert auf dem Prinzip der so genannten operanten Konditionierung. Gelingt Ihnen bestimmte, erwünschte Gehirnaktivität erzeugen, gibt es eine Belohnung (Feedback).

Welche Art von Neurofeedback wird verwendet?

In unserer Praxis verwenden wir das sogenannte SCP-Neurofeedback. Beim SCP-Neurofeedback werden die sogenannten langsamen kortikalen Potentiale (Slow Cortical Potentials, SCP) abgeleitet und visuell dargestellt.

Was sind langsame kortikale Potenziale?

Die langsamen kortikalen Potentiale (SCPs) sind die Grundlage für mentale Funktionen wie Selbstbewusstsein, Ich-Gefühl, Erfahrung, Erleben und vieles mehr. Neben der Verarbeitung von Informationen aus der Umwelt und dem Körper, ist das Gehirn damit beschäftigt, seine eigene Verarbeitungsaktivität zu registrieren. Diese Aktivität besteht aus SCPs. SCPs bilden das aktuelle Aktivierungsniveau des Gehirns ab und wechseln periodisch zwischen elektrisch positiv und elektrisch negativ, wobei eine Periode zwischen mehreren Sekunden und einigen Minuten dauern kann.  Sie haben also keine Schwingungen im herkömmlichen Sinn, sondern sind langanhaltende Verschiebungen des gesamten EEG-Spektrums in die elektrisch negative oder positive Richtung. Diese Verschiebungen können von einigen hundert Millisekunden bis hin zu mehreren Sekunden anhalten. Potentialverschiebungen in die elektrisch negative Richtung bedeuten eine Aktivierung, während Potentialverschiebungen in die elektrisch positive Richtung eine Hemmung oder Entspannung anzeigen.

Beim Neurofeedback der langsamen kortikalen Potentiale wird die bewusste Kontrolle über den Aktivierungszustand des Gehirns erlernt. Diese erlernte Kontrolle ermöglicht u.a. ein situationsgerechtes und zielgerichtetes Mobilisieren von Energie für die Informationsverarbeitung. Anhand der abgebildeten Hirnaktivität können Sie Ihren aktuellen Bewusstseinszustand sehen. Sie werden angewiesen sich in einen aufmerksamen oder entspannten Zustand zu versetzen und lernen so über Training die Gehirnaktivität zu verändern. Aktivierungs- und Entspannungszustände des Gehirns können so bewusst selbst gesteuert werden, die Selbstregulation wird trainiert. Langfristig wird das hierdurch gelernte Verhalten automatisiert und soll auf Alltagssituationen übertragen werden.

Was verbessert sich durch Neurofeedback?

Mit Neurofeedback werden gezielt Aktivität und Selbstregulierungsfähigkeit des zentralen Nervensystems trainiert.

Mit dem Feedbacktraining lernt das Gehirn insgesamt seine Selbstregulierungsfähigkeit zu optimieren. Dabei verbessern sich Symptome, die mit Fehlregulierungen im Zusammenhang stehen. Diese Erfolgserlebnisse motivieren das Gehirn, die neu erlernten Selbstregulierungsprozesse immer schneller und nachhaltiger zu erreichen und auch in den Alltag zu transferieren. Das führt zu einer Steigerung der Resilienz, unserer psychischen Widerstandsfähigkeit.

Alle psychischen Auffälligkeiten zeichnen sich dadurch aus, dass die Betroffenen Defizite der Exekutivfunktionen aufweisen. Exekutivfunktionen stellen nach Barkley (2011) Grundlagen für selbstgesteuerte Handlungen dar. Sie bestimmen inwieweit ein Mensch sein Leben bewusst beeinflussen, sich an veränderte Bedingungen anpassen und am Leben einer Gemeinschaft teilhaben kann.

Die wichtigsten Exekutivfunktionen (Barkley, 2011):

  • Selbstwahrnehmung und Selbstkontrolle (Monitoring)
  • Verhaltenshemmung und Management von Störfaktoren
  • Nicht-verbales und verbales Arbeitsgedächtnis
  • Planen und Problemlösen
  • Vorausschauen und sich Vorbereiten
  • Selbstregulation über längere Zeiträume hinweg
  • Emotionale Selbststeuerung

Das Neurofeedback der langsamen kortikalen Potenziale kann zu nachhaltigen Veränderungen in den Exekutivfunktionen führen. Dementsprechend sind die Anwendungsfelder vielfältig. Symptome, die im Zusammenhang mit verschiedenen (psychischen) Erkrankungen wie Depression, Angst- und Panikstörung, Migräne und Burn-Out stehen, können mithilfe des Neurofeedbacks reduziert und verbessert werden.

Zusätzlich kann Neurofeedback zur mentalen Leistungssteigerung bei gesunden Personen in verschiedenen Bereichen wie Schule, Studium, Beruf und Sport eingesetzt werden. Es kommt vermehrt als Methode zur Konzentrationssteigerung und Stressbewältigung zur Anwendung.

Wem hilft Neurofeedback?

Bei einer Reihe von psychisch bedingten Krankheitsbildern wie zum Beispiel ADHS, Migräne oder Depression ist die positive Wirkung des Neurofeedbacks bereits seit Jahren in Wissenschaft und Praxis nachgewiesen. Bei den folgenden Erkrankungsbildern ist ein Neurofeedback-Training hilfreich:

  • AD(H)S
  • Angst- und Panikattacken
  • Autismus
  • Burn-out
  • Chronische Schmerzen
  • Depression
  • Epilepsie
  • Essstörungen
Neurofeedback hilft

Wie lange hält die Wirkung eines Neurofeedback-Trainings an?

Neurofeedback gleicht einem längerfristigen Sporttraining, ähnlich dem Radfahren oder Schwimmen. Das Gehirn verändert seine Aktivitätsmuster nachhaltig. Studien konnten die erlernten Effekte in umfangreichen Untersuchungen auch nach sechs Monaten noch eindeutig nachweisen.

Elektroden Für Neurofeedback

Wie sieht die Behandlung aus?

Wenn das Neurofeedback-Training für Sie infrage kommt, laden wir Sie zu einem Beratungsgespräch ein. Der Fokus des Gesprächs liegt in der Anamnese und Zielsetzung. Für uns ist es wichtig, Ihre (medizinische) Vorgeschichte zu verstehen, um Behandlungsansätze zu erläutern und gemeinsam mit Ihnen Ziele Ihres Trainings festzulegen.

Der Start in das Neurofeedback-Training beginnt mit einem ausführlichen Beratungsgespräch und einer therapeutischen Anamnese. Manchmal ist eine begleitende Diagnostik sinnvoll. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Festlegen Ihrer persönlichen Ziele und Entwicklungsmöglichkeiten.

Planen Sie für den Ersttermin eineinhalb bis zwei Stunden. Die darauffolgenden Trainings dauern ca. 50 Minuten pro Sitzung. Damit sich das Gehirn lernen kann, beginnen meist mit einem engmaschigen Sitzungsintervall von 2 bis 3 Sitzungen pro Woche. Ein Neurofeedback Training in unserer Praxis dauert 50 Minuten. Für den Behandlungserfolg ist ein eigenständiges Trainieren außerhalb der Praxis notwendig. Neben dem unmittelbaren Training wird daher regelmäßig der Fortschritt der Therapie und der Transfer des Gelernten in den Alltag besprochen. Findet der Transfer in den Alltag statt, so können die Sitzungsabstände langsam vergrößert werden. Nach der Zielerreichung kann das Training beendet werden. Der Therapieerfolge und das eigenständige Fortführen des Trainings besprechen wir mit Ihnen in der Abschlusssitzung. Auf ihren Wunsch können wir in einem Abstand von mehreren Monaten ein Paar Boostersitzungen durchführen, um Ihre Therapieerfolge weiterhin zu festigen.

Neurofeedback

Neurofeedback Behandlung

in unserer Linden Ambulanz für Psychotherapie